Herrenausflug mal anders
Geschichte, Gedenken und Kameradschaft
Vom 9. bis 10. Mai 2026 tauschten vier Männer aus dem Raum Siegburg das klassische Ausflugsprogramm gegen eine Reise in die deutsche Militär- und Zeitgeschichte ein. Die Tour nach Niedersachsen wurde für die Gruppe – unter denen sich auch aktive Reservisten befanden – zu einer intensiven Erfahrung zwischen tiefer Betroffenheit und gelebter Kameradschaft.
Mit dabei Olaf Kortenhoff vom RAZ.
Mahnung und Stille
Der Auftakt der Reise hätte kaum kontrastreicher zum Alltag sein können. Erste Station war die Gedenkstätte Bergen-Belsen. Wo heute weite Heideflächen und Stille herrschen, befand sich einst ein Ort unvorstellbaren Leids.
Das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen steht wie kaum ein zweiter Ort für das Grauen des Holocausts. Ursprünglich als Kriegsgefangenenlager errichtet, wurde es später zum Konzentrationslager, in dem Zehntausende an Hunger, Seuchen und Misshandlungen starben – unter ihnen auch Anne Frank. Besonders die gewaltigen Massengräber, in denen über 20.000 Menschen ihre letzte Ruhe fanden, hinterließen bei den Männern eine schwere Betroffenheit. Die Frage nach dem „Warum“ und der menschlichen Grausamkeit begleitete die Gruppe über das gesamte Gelände.
Im direkten Anschluss folgte der Besuch des Becklingen War Cemetery. Dieser britische Soldatenfriedhof, der am Rande der Lüneburger Heide liegt, beeindruckte durch seine akkurate Gestaltung und die schiere Anzahl der weißen Grabsteine. Er erinnert an die gefallenen noch so jungen Soldaten des Commonwealth, die in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs ihr Leben ließen.
Abend der Kameradschaft
Nach den bedrückenden Eindrücken des Tages verlagerte sich das Geschehen am Abend auf die zwischenmenschliche Ebene. Da die Gruppe eng mit der Region und dem militärischen Umfeld vernetzt ist, mündete der Tag in einem Kameradschaftsabend. Bei Grillwürstchen und kühlen Getränken trafen die Siegburger auf lokale Kameraden. Es wurde deutlich: Der Austausch zwischen Reservisten und die Pflege alter Kontakte sind das Fundament, das solche Touren trägt.
Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Militärhistorie zum Anfassen. Gemeinsam mit den Gastgebern des Vorabends besuchten die Männer das Deutsche Panzermuseum Munster.
Als eines der führenden Museen seiner Art weltweit bietet Munster eine beeindruckende Sammlung von über 150 Panzern und Fahrzeugen – vom ersten deutschen Panzer „A7V“ bis hin zu modernen Kampfpanzern wie dem Leopard 2.
Für die Gruppe standen nicht nur die technischen Daten der Exponate im Vordergrund. Durch den Austausch mit den Fachleuten vor Ort erhielten sie authentische Einblicke in den harten Alltag der Panzertruppe. Die Kameraden gaben Informationen zur Entwicklung der Taktik und die psychischen Belastungen des Dienstes in der „Stahlhülle“.
Bevor es zurück ins Rheinland ging, stand noch eine Mission auf dem Plan, die kulinarische Horizonterweiterung. Die Teilnehmer mit niedersächsischer Vergangenheit ließen es sich nicht nehmen eine kulinarische Weiterbildung zu geben und ihren Mitstreitern die niedersächsische Currywurst schmackhaft zu machen, ein bodenständiger Abschluss für eine Reise voller Kontraste.
Dieses Wochenende war mehr als nur eine Tour unter Freunden. Es war eine Reise durch die deutsche Geschichte – von den dunkelsten Kapiteln in Bergen-Belsen bis zur modernen Landesverteidigung in Munster. Die tiefen Gespräche und der feste Wille, diese Kontakte zwischen Siegburg und Niedersachsen weiter zu pflegen, zeigen, dass Kameradschaft über regionale Grenzen hinweg Bestand hat.

